mu(h)tanten
mein fräulein tochter wartete schon seit einiger zeit darauf, das thema ihrer forschungsarbeit benannt zu bekommen. alle ihre mitstreiter konnten sich bereits darauf vorbereiten, was nach den wohlverdienten weihnachtsfeiertagen auf sie zukommen sollte. aus verschiedenen gründen dauerte alles unendlich lange, und auch der familienfrieden litt ein wenig darunter, dass sich ihre laune von stunde zu stunde verschlechterte. sollt doch die zeit der vorbereitung allmählich knapp werden – und alle andern ihr gegenüber im vorteil sein.
als ich an besagtem abend endlich nach hause kam, erwartete mich einer meiner söhne mit hochrotem kopf in unserer küche. "sie hat angerufen", waren seine worte, "ich weiss nun, welches thema sie bekommt ...". ich konnte kaum aus der jacke schlüpfen, schon redete er weiter." sie muss da irgendwie gene umbauen. sie verändern, unschädlich machen, irgendwas mit EBOLA ..."
ich sank in die knie. "bist du sicher?, fragte ich ihn. "EBOLA?"
das konnte nicht sein! sicherlich hatte meine tochter immer wieder glück in ihrem studium. angefangen damit, dass sie grundsätzlich ALLE katastrophen anzog, die in einer uni anzuziehen waren.... ratten mit mundgeruch bei der obduktion, kommilitonen mit merkwürdig perversen neigungen zu handpuppen und explodierenden versuchsreihen. Ebola wäre eigentlich nur eine konsequente weiterführung dessen gewesen, was in über sie hereingebrochen war. "bist du sicher", fragte ich noch einmal. "Ebola? – du hast dich da nicht verhört?" was mein sohn darauf antwortete, habe ich eigentlich nur am rande mitbekommen. plötzlich sah ich mich in einem rosa licht. nobelpreis – meine tochter als retterin der welt – presse – ich, in einem dieser kleider aus chiffon, aus den frauenmagazinen, die soviel geld kosten wie ein 2-wochen-urlaub in der karibik, kleidergrösse 36 !!!....."hallo, hörst du zu"??? er rüttelte an meinem arm. "das ist doch Ebola, wovon man diesen fiesen durchfall kriegt –?"

wissen sie, wie schnell ein kleid in grösse 36 an den nähten platzen kann? er hatte sich vertan ! es ging um e. coli .....




caterine bueer am 21.Aug 09
e.coli ...?
Das mit der platzenden Grösse 36 kann ich ja leidlich nachzuvollziehen. Aber bei Ratten mit Ebola-Mundgeruch habe ich weniger Erfahrung. Weshalb ich auch nicht weiß, was "e.coli ..." sind. Was noch schlimmeres?

strappato am 21.Aug 09  |  Permalink
Escherichia coli (abgekürzt E. coli) ist ein säurebildendes (Laktose-positiv), gramnegatives, stäbchenförmiges, Oxidase-negatives und peritrich begeißeltes Bakterium, das im menschlichen und tierischen Darm vorkommt. Es gehört zur Familie der Enterobacteriaceae (griech. „enteron“: Darm). Benannt wurde es 1919 nach seinem Entdecker Theodor Escherich. Es gehört zu den weltweit am besten untersuchten Organismen.

Gerade Letzteres macht eine Forschungsarbeit schwer. Aber so ist die Wissenschaftswelt. So einfache Sachen wie Ebola behalten sich die Professoren vor.

frau braggelmann am 21.Aug 09  |  Permalink
schöner
hätt es niemand sagen können.
nachdem ich vorhin angesprochen wurde, worum es denn nun wirklich ging:

ADP-bildende Acyl-CoA Synthetasen in Archaea; Analyse einer Mutante der ADP-bildenden Acetyl-CoA Synthetase aus Pyrococcus furiosus und Charakterisierung der Succinyl-CoA Synthetase aus Pyrobaculum aerophilum

caterine bueer am 22.Aug 09  |  Permalink
Hab ich's doch geahnt:
Schlimmeres. Da wird man ja schon beim Lesen krank.

biotante am 26.Aug 09  |  Permalink
gut informiert...
...strappato!
die Enzyme wurden uebrigens nur heterolog in E. coli exprimiert, hatte also nichts mit E. coli direkt zu tun...da gibts auch nicht mehr viel zu forschen...