eben war meine nachbarin an der tür. sie ist eine der jüngeren mütter aus dem dorf mit drei herzallerliebsten söhnen. die jungs fahren mit dem rad, spielen fussball und von zeit zu zeit erwischt man einen von ihnen zwischen den (dann nicht mehr vorhandenen) erdbeeren im garten. wie viele andere kinder haben auch sie ein haustier. "günni" das meerschein. günni wohnt schon seit einigen jahren in der familie. er sieht aus, wie eine mischung aus explodiertem sofakissen und einem verstorbenen herrenboutiquebesitzer, aber die kinder lieben ihn. nun musste meine nachbarin vor ein paar tagen, morgens beim brötchen holen feststellen, dass günni regungslos in seinem käfig lag. völlig fassungslos, und mit dem wissen, dass merschweine ein doch eher begrenztes leben haben (in manch südamerikanischen andengebieten ein sehr kurzes), musste schnell etwas geschehen, bevor die lieben kleinen aus den betten kommen würden. kurzerhand schnappte sie sich den an der hauswand stehenden spaten und schauffelte, gleich neben den lieblingsrosen im vorgarten, ein kleines loch in dem günni zur letzten ruhe gebettet wurde. mit bauchweh und angst vor dem augenblick, wo die kinder sein verschwinden bemerken würden. nun ist nicht so auf die schnelle adequater ersatz zu besorgen, und so zog der zweite tag ins land. gut, dass kinder manchmal doch leicht abzulenken sind. am nachmittag allerdings kamen die grosseltern zu besuch, und es gab ein tässchen kaffee im vorgarten. plötzlich ein aufschrei von dem jüngsten:" mammaaaaaa...schnell, irgendwer hat günnis käfig aufgelassen. schnell, der rennt da im garten rum !" mit blassem, fassungslosem gesicht musste sie feststellen, dass günni, offensichtlich vom koma erwacht, frisch und fröhlich quitschend durch die beete lief.
eben war sie hier:" ich kann günni nie wieder in die augen sehn...", waren ihre worte, bevor sie ging.
tja, wie war dass mit dem überprüfen der vitalfunktionen ? – jedenfalls werd ich bei ihr im garten besser niemals müde einschlafen!"
photographie: verwirrtes mäuschen CC
schlimm genug, dass ein meerschwein von heute nicht im ansatz die bekleidungsetikette beherrscht. niemals rosa bei handlungen, die in ihrer wichtigkeit unterstrichen werden müssen. ein dezentes schlamm oder anthrazit wären da geeigneter gewesen, zumal die übernahme der welt – oder wenigstens des dorfes eine recht ernstzunehmende massnahme abgegeben hätte.