heimwerkerkönig
es gibt menschen, die glauben, die blosse tatsache, einen werkzeugkasten käuflich zu erstehen und das tragen einer latzhose mache sie zum heimwerkerkönig. so auch meine bessere hälfte, die seit dem umzug aus südlichen gestaden in den kalten grauen norden, die geistige arbeit gegen die köperliche tauschen wollte. in den wirren unseres umzuges musste auch ein teppichboden neu erstanden und verlegt werden.
die reise zum teppichgrossmarkt war schnell gemacht und ein wunderbares stückchen kükengelber auslegeware eines bekannten herstellers (form follows function) erstanden. als es aber nun zu der frage kam, ob auch ein verlegedienst bestellt werden solle für das teure stück, sagte die bessere hälfte: "verlegedienst?... guter mann, ich habe das werkzeug und die erfahrung. ich habe sicher schon weitaus mehr verlegt als sie!" leider hatte er vergessen – auch in meiner gegenwart – zu erwähnen, dass es sich bei diesen "verlegearbeiten" um das ver-legen eines teppichmusterbuches in den wirren seiner büchermassen gehandelt hatte.
mit meinem sichtlich zufriedenen herrn an der seite wuchteten
wir das gute stück ins auto und brachten es in die wohnung.
drei minuten später stand er da. mein held in arbeitshose, zollstock, bleistift hinter den ohren und einer guten tasse kaffee in der hand. den werkzeugkasten fest im griff gab er beiden söhnen anweisung zur korrekten ausrichtung des gelben schätzchens, und wies sie an, ihn passend zuzuschneiden. nach einem kurzen moment des zuschauens, wie die jungs mit metallschiene und teppichmesser dem boden zuleibe rücken wollten, ging es mit ihm durch. er riss die teppichkante hoch, setze das teppichmesser an und schnitt freihändig den vermuteten überstand zurecht. mit einem lauten: "so!, so! macht man dass", liess er ihn zurückfallen und siehe da... 10 cm zu kurz !
eins muss man ihm ja lassen... sein lässiges: "das muss so, der wächst noch!" beim aus dem zimmer gehen machte uns alle sprachlos.




monopixel am 29.Aug 09
Haha, coole Ansage auf alle Fälle. ;-)
Wahrscheinlich hätte ich mich zu Tode geärgert.

jean stubenzweig am 29.Aug 09
War das nicht möglicherweise
doch so, daß es sich bei der Erfahrung des Verlegens weniger um das sicherlich gerne praktizierte und hinlänglich bekannte Verlegen von Büchern im Rahmen immer wieder neuer Ordnungsversuche handelte, sondern eher um einen verlegenen Hinweis auf das Verlegen, also das verlegerische Vorlegen von Büchern über Wandteppiche, ohne die französische Entdecker nicht sein wollten, als sie sich in der eisigen Fremde des Nordens ein gemütliches Heim einrichten wollten?

So ist mir diese Geschichte jedenfalls überliefert.