lemminge
endlich ist es soweit. seit einigen wochen hat nun auch der jüngste den führerschein. aus anfänglich zaghaften bitten um das begehrte fahrzeug ist nun quasi ein dauerzustand geworden, der, von mir aus betrachtet, nicht besonders schön ist.
ich fahre nun bus! schulbus, um es genauer zu sagen. dem anfänglich meinerseitigen naserümpfen über nach morgendlichem pubertätsschweiss und turnschuhen riechenden, vollbesetzten fahrzeugen, mit sich darin befindlichen unausgeschlafenen und montäglich prahlenden jugendlichen, deren angebliche, lauthals kundgegebenen wochenendbeschäftigungen weit über dem zu schaffenden und des möglichen liegen. zumindest meines erachtens! daraus ist nun aber ein echtes abenteuer geworden.
mit einem erstaunen darüber, dass, richtig betrachtet, so ein morgentlicher ritt in diesem fahrzeug weit mehr ist als eine beförderung von A nach B., es ist "SirVival"-sein pur! nur, dass sich in dem nach frühem dauerlauf zur busstation und dem hoffen auf einhalten des fahrplanes dann die tür zu einem gefährt öffnet, welches nicht nur dem namen nach an einen roman eines wunderbaren schriftsteller erinnert. nach genauerer überlegung ist es nicht pubertätsschweiss, der einem umgibt. es ist polytheria, ein wohl gallertartiger plasma-ozean mit unerklärlichen eigenschaften, welcher den bus befüllt. die sich an der stetig wabernden oberfläche bildenden neuen formen der mitfahrenden haben sicherlich nichts mit einer anwesenden, sich sinnvoll ausdrückenden, ausserirdischen intelligenz, sondern vielmehr mit dem fahrstil des ebenfalls mitunter ausserirdisch erscheinenden führers dieser fähre ans (un)gewisse ziel zu tun. ebenso folgt auch das gefährt wohl eigenen physikalischen gesetzen, denn wie anders könnte man das gefühl beschreiben, man reise mit lichtgeschwindigkeit, fast lautlos – und vorbeihuschende strassenschilder und haltestellen kämen einem entgegen, wie bei einem raumflug durchs sternenbesetzte all. auch ist hin und wieder, vor allem bei kurvenfahrten, das wunder der schwerelosigkeit und abgleiten, trotz massenträgheit und gravitation auf andere sitzplätze zu beobachten. auch ist man beim aussteigen aus lem'schen gefährt mitunter der ansicht, auch hier versucht die hinter allem steckende kraft sich der vom ozean geschaffenen gäste hastig zu entledigen. dann setzt sich der überlebenskampf weiter fort, da in unserem städtchen die fusswege von der städtischen exekutive zur exekution der fussgänger an die fahradfahrer freigegeben worden sind. der slalomlauf zwischen dahineilenden normannischen truppen richtung süden in die schule auf ihren bereiften geschossen, die wie bei guten steppenreitern lediglich kraft schenkeldruck gelenkt werden, so dass die hände freibleiben für waffen oder, wie in diesem falle, telekomunikationsgerät, rundet das surviveln geschmackvoll mit rufen wie "eyh,weg da, alte ..." freundlich ab.
also, wer mag – morgen früh an der haltestelle ...
Die Gockel krähen
am 01. mai 2010 ab 10.00 uhr im dorfkrug zu büddenwarder um ihre (welt-)reviere:
DAS ereignis des jahres !
(ein alter holsteinischer Brauch)
HÄHNEWETTKRÄHEN !
Fotografie: MIgraciónTOtal CC
reiz(d)arm
seit einigen tagen haben wir eine praktikantin im betrieb, die wie so manch ein armes wesen, wenn es den alltäglichen wahnsinn im ernstfall einmal proben soll, so ihre kleinen oder grösseren problemchen hat. so manche gehen auch an uns nicht immer so ganz schadlos vorbei.
heute mittag sollte sie für uns ein quäntchen kaffee kaufen, da die betriebseigenen vorräte gänzlich zur neige waren, der kaffeedurst bei mir aber enorm, bat ich sie, doch einmal hinunter in den ort zu laufen, um dort für uns den nachschub zu besorgen.
die von mir in ihre hand gedrückten 50,- euro ergänze ich noch mit den liebevollen worten : "bitte, nicht so gruseliges zeug, das so schmeckt wie frisch geröstete fussnägel. bitte, sei so gut und kauf was ordentliches!", und schon lief sie los. 20 minuten später stand sie wieder vor mir, in der hand eine tüte kaffee, für einen preis, der mich das seit dem mittelalter wunderbar eingeführte und dann in vergessenheit geratene "praktikanten-lynchen" wieder erinnern liess.
in meiner absoluten fassungslosigkeit sah ich auf die packung, auf der sich in nymphenhaften reigen und schleiertanzender weise blütenbekränzte halbnackte elfen reigten (dabei ne tasse kaffee in der hand) und las auf der packung die worte, dass dieser kaffeegenuss, der vollmundig und geschmacksintensiv und doch dabei blütenhaft und mild, sehr reizarm sei, und mich schonend ins kaffeenirvana geleiten sollte.
meine absolute blutleere im gesicht muss ihr dann doch angst gemacht haben.
ihre worte waren: "wie gut, dass ich schonkaffee gekauft habe. in ihrem alter muss man ja auf herz und blutdruck achten....."
in einem gesunden körper...
der frühling naht und eigentlich sollte der winterlich erworbene speck nun endlich in den griff zu bekommen sein. die neue frühjahrsgarderobe ist besorgt, lediglich der feinschliff fehlt. wie jedes jahr habe ich meine unterstützenden massagen beim heimatlichen kurbetrieb angetreten und freue mich auf jede sitzung bei der erfahrenen behandlerin, die mich, stressgeplagt, mit ihren kundigen methoden jegliche form von alltag vergessen lässt.
voller freude schwärme ich meinem jüngsten auf der gemeinsamen morgendlichen fahrt zur arbeit davon vor. wie wunderbar entspannt, wie erfrischt, ja wie elastisch meine alten knochen endlich wieder...- sein gesicht voller neid und seine worte: "na, du machst dir ein feines leben, und ich schufte schwer und hab rückenschmerzen... ich würd ja auch gern mal so vor mich hin, und dann entspannt nach hause..., aber, dass interessiert ja keinen!" ja, leiden konnte er schon immer!
als gute mutter habe ich es ihm dann organisiert. einen gutschein. für eine, wie er es wünschte, entspannende und revitalisierende massnahme.
seine glücklichen blicke, vorhin im auto, mit dem gutschein in der hand sprachen bände.
seine darauf folgenden worte allerdings trieben mir die (lach)tränen in die augen.
"danke mamma...dass ist toll!! massage...aber, warum soll ich dann hinterher zum tanzkurs. und dann auch noch tango ???!!!...
auf dem gutschein stand : massage mit fango!
Formicidae et spiritus sanctus
eines schönen tages wurden auch wir heimgesucht. beim frühstück konnten wir sie sehen. die herrlich geordnet laufende ameisenstrasse, von draussen quer durch die küche in die speisekammer. da meine bessere hälfte, in den vorherigen jahren biologisch gänzlich unbeleckt, von meinen söhnen durchaus glaubhaft davon überzeugt wurde, dass ameisen rotweinflaschen aus speisekammern schleppen, um dann auf mieseste weise achtsame, unbescholtene halbwüchsige in verruf zu bringen, war dieser sofort davon überzeugt, es gäbe nur einen weg! ausrotten!!! alle versuche, gnade vor recht zu fordern und die eventuelle beseitigung der zugangslöcher, wurden im keime erstickt. das entrée der kleinen ungebetenen gäste war auch schnell gefunden. direkt an der (holz)hauswand vor dem wohnzimmer hatten sie einlass gefunden. drei tage recherche vor dem heimischen netz in die welt brachten die erkenntnis. die biester sind zäh! irgendwann sah ich ihn höchst zufrieden durch die wohnung laufen, irgendetwas von radikal aber wirksam murmeln. einen moment später war er im garten verschwunden. als einer meiner söhne ein paar minuten später in die küche kam und fragte, was wir mit dem ganzen spiritus wollten, konnte ich nur noch in den garten laufen und zusehen, wie die liter von selbigem, im loch in der hauswand versickerten von meiner auf knien davor hinterherschauenden fies grinsenden besseren hälfte angezündet wurden.
das uns die hütte nicht unter dem hintern weggebrannt ist, ist nur dem beherzten einsatz der sich in unmittelbarer nähe unseres weinkellers befindenden mitglieder der jungfeuerwehr zu verdanken.
p.s. die ameisen kommen nun durch die haustür rein !
vor hausfreunden wird gewarnt
nach tagen der familiären belagerung durch meine tochter war es soweit. umzugstag. alles ging verhältnismässig glatt über die bühne, bis auf die tatsache, dass die schneeflocken und das glatteis für aberwitzige fahrzeiten sorgten und das eine oder andere mal des freischiebens eines (vollbeladenen) fluchtfahrzeuges aus der elterlichen wohnung für weitere verzögerungen der ersten nacht im trauten heim sorgen sollten. leider machte dann auch noch das neu erstandene luxusmegabett, eigens von einer spedition angeliefert, mit einem faustgrossen loch im kopfteil, dem traum von seeligem schlaf zunichte. alles in allem waren wir zwar fix, aber noch lange nicht fertig.
am nächsten morgen, erster arbeitstag der tochter, ritt dann die bessere aller hälften die idee:"los, wir fahren hin und machen heimlich weiter! heute abend ist alles fertig und ´s kind glücklich!" gesagt, getan, schulterte er alle werkzeugkästen, hämmer, säge, bohrmaschine und unter schnaufen und ächzen auch diverse leitern und tritte. mein ausruf: "wir müssen doch aber nur noch die gardinenstange anbringen" verhallte im stöhnen meines kleinwagens, der sich, wie für eine halbjahrestour nach anatolien bog. "obendrauf", beschloss er, "passen noch ein paar kunstwerke für die wand!" und eilte in den heimischen lagerraum, um dort das eine oder andere künstlerisch wertvolle kleinod zu entdecken, das nun endlich seiner bestimmung zugeführt werden sollte. obendrauf fand sich noch ein gigantisches bild für die grosse wand im wohnzimmer, welches ich unter androhung von todesqualen bei beschädigung, über die eisfläche vor dem haus wie auf rohen eiern in den wagen balancierte. auf der fahrt in die grosse stadt dann die anmerkung, dass wir noch in den nächsten baumarkt müssen. dübel und schrauben, sowie diverse meter stahlnägel kaufen. an der wohnung angekommen, dauerte das entladen des wagens noch einmal genau solange wie der komplette umzug.
leider war wirklich nur noch die gardinenstange anzubringen und die bessere aller hälften irgendwie unglücklich. " ich schau noch mal alles nach. besser ist, der vielen dilettanten wegen", sagte er und verschwand mit einem satz rohrzangen in der dunkelheit des flures, während ich mich nach hübschen plätzen für die bilder umsah. nach einiger zeit kam er glücklich und zufrieden zurück. "so! alles erledigt!" waren seine worte und dann fuhren wir nach hause, auf den vor dankbarkeit und rührung triefenden anruf der tochter wartend. der kam dann auch ! "seid ihr in der wohnung gewesen????" waren ihre worte, die wir strahlend bejaten. "ich glaube, unter den dann folgenden , sicherlich später mal von ihr bedauernden worten, gehört zu haben, dass das bad komplett unter wasser stünde und sie - zumindest einen von uns - einweisen lassen will...
frau braggelmann am 18. Februar 10
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ich sähe krähen in där nähe
ein schönes hat der viele schnee. meinen saatkrähen in der nachbarschaft geht es gut. endlich hat die futtersuche ein ende. alles zugeschneit und man kann sich den schönen dingen des lebens widmen, wie kopfüber in schornsteine gucken . das tut man wahlweise zu zweit oder alle 150 zusammen. dann wirds eng und hin und wieder stürzt einer ab. gottseidadank nicht zur witwe bolte in den bratentopf, sondern hintern nach vorn oder kopfüber die dachpfannen hinunter. schön, wenn dann beim dritten abstieg der unfreiwilligen art entdeckt wird, dass " schlittenfahren" auf dem federigen steiss ganz irre spass macht und zur nachahmung verführt.
mörtel crew vol. II
mittwochs muss ich oft erst ein bisschen später zur arbeit. nichts ist schöner, als um 6.00 uhr morgens noch ein bisschen im bett zu liegen, ein tässchen heissen tee zu schlürfen und daran zu denken, dass es auch – manchmal – ein leben vor der arbeit gibt.
draussen tobt die mörtel-crew auf der baustelle gegenüber und das (sanfte) vibrieren der höllenmaschinen dort hat schon fast etwas vertrautes. zuchteber harrald ist seit tagen dabei, alle nötigen vorkehrungen zu treffen und panisch die nach oben offene richterskala und den eingang seines stalles im auge zu behalten.
aber, selbst die schönsten momente haben ein ende. beim verlassen der wohnung, und dem blick auf meine – wieder einmal – zugeparkte einfahrt suche ich nach dem bauleiter. voller tatendrang (nach dem tee ! first flush, second wasweissichwas, – aber extrem lecker) sage ich ihm, dass ich vom hof müsse. arbeiten!
er steht angelehnt an sein baufahrzeug, die tasse kaffee in der einen, das butterbrot in der anderen hand. "jaaaaaaaaa, das soll wohl losgehen..." er kaut seelenruhig weiter. "äh, ich muss JETZT los, bitte..." wiederhole ich mein anliegen eine minute später. seine gütigen augen schauen mich an. "dann soll es so sein", kommentiert er und kaut weiter. inzwischen schaue ich ein drittes mal zur uhr. "manno, ich komm zu spät, das gibt kloppe vom chef..." in der hoffnung, er wird nun schnell sein fahrzeug wegfahren, bitte ich erneut.
endlich eine reaktion! in aller ruhe schiebt er sein restliches frühstück zurück in die brotdose, welche er dann liebevoll in einer leinentasche und dann in der tür seines fahrzeuges verstaut. dann nimmt er den kaffeebecher, trinkt selig lächelnd den rest der 2-liter- thermoskanne leer (ich bin kurz vor einem schreikrampf) und schiebt diese dann ebenfalls zurück in eine tüte und dann hinter den fahrersitz. nun folgt die zerpflückte zeitung, die zunächst wieder zurück in ihre urform und dann von der ladefläche in den lkw getragen wird. mir schwinden fast die sinne..., dann wird sorgfältig nachgesehen, ob runtergefallene nägel eventuell die reifen bedrohen, oder möglicherweise reste des frühstücks den boden verschandeln könnten. nachdem er dann anfängt, erst die eine ladeklappe des wagens hochzuklappen und dann die andere, tropft mir inzwischen der schaum vom mund. "bitte", quietschte ich. sie müssen doch nur 20 cm weiter nach vorne fahren, dann komm ich hier raus.
ich bin sicher, die baustellen bei uns dauern nicht so lange, weil die bürokratie soviel zeit verschlingt...
endlich, nachdem er sich bei allen angestellten maurern über die konsequenzen eines 20 cm weitergefahrenen wagens erkundigt, steigt er in selbigen, und ich kann endlich losfahren. direkt auf drei gigantische mörtelmischfahrzeuge zu...
tbc.
such, such, such....
es ist soweit ! töchterchens doktorarbeit ist beschlossen ! und somit auch der (von mir zumindest) angestrebte nobelpreis in nicht allzuweiter ferne! des abendkleides wegen für die mu(h)tantenfeier.
suchen nun eine schnuckelige, mikrobenfreie kleine wohnung , bezahlbar, in st. jürgen/lübeck uninähe.
bitte hiermit um hilfe, wer was hört, möge es bitte weiterleiten an mich. es winkt auch ein preis. ein abend mit den braggelmännern ( und zuchteber harrald). oder, für die freunde des hochprozentigen, was leckeres in flasche.
herzlichen dank schon mal-
fit for fun
die schneekatastrophe hat den norden fest im griff. naja, eigentlich waren ja meter der herrlichen weissen flocken angekündigt, aber, das was da herunterkommt, reicht auch schon seit tagen, um sich körperlich zumindest zwei bis dreimal täglich körperlich zu ertüchtigen.
meine "grauen panther" in der nachbarschaft sind auch ganz glücklich darüber, dass ich eigentlich ganz gern mal den besen schwinge, und sie somit sich nicht in halsbrecherischer akrobatik auf den gehweg trauen müssen. mit seitenblick zu herrn stubenzweig - es ist zum darauf fliegen auch zu stürmisch!
der schneeschieber ist zwar aus dem vorherigen jahrhundert, nur 20 cm breit und mit von den jahren zerfressener kante (was sich hervorragend auf den inzwischen über und über überall hervorlinsenden pflastersteinen macht), aber er tut seine dienste - wenn auch unter brutalen anstrengungen, nicht allzuoft auf einem hinderniss abzubremsen.
auf die besorgte frage meiner beiden nachbarn, ob mir die kilometerlangen räumungsarbeiten nicht zuviel würden, entgegnete ich, dass mir die bewegung, vor allem nach den viel zu fetten feiertagen und der nachweihnachtsruhe sehr gut bekäme, da doch das eine oder andere kilochen flugs wieder von der hüfte müsse. ausserdem, nach den besorgten blicken beider, versicherte ich noch einmal mit ernstem blick, wäre es dass schönste, was ich erleben würde, bei schnee und eis endlich einmal von der hektik zu erholen.
ein wenig verwundert war ich jedoch, dass seit tagen immer wieder vor meiner einfahrt die schneemassen im gegensatz zu den nachbargrundstücken zunahmen. naja, dachte ich, die räumen halt schneller. meine bemühungen waren fast aussichtslos. ich schob und fegte, und ein paar stunden später lag die weisse pracht wieder (zenti)meterhoch vor dem haus. als ich heute morgen sah, dass ein nachbar mit einem kleinen gartentrecker, den er zum strasseräumen benutzte, mir die schneemengen vors haus schob, fragte ich ihn böse, ob er mich ärgern wolle. seine antwort machte mich sprachlos.
"die nachbarn haben mir extra was dafür bezahlt. sie wollen doch so gern schneeschieben, wegen der figur!! wir wollten ihnen nur eine freude machen..."
mörtel crew vol. I
mitten in der nacht wurde ich durch das heftige vibrieren meines bettes wach. gleissend helles licht schien mir ins gesicht und der ohrenbetäubende lärm von 10.000 dampfhämmern dröhnte durch die wohnung....ich sollte irgend etwas gestehen oder mittels laserkanone zersägt werden.-moment !!!
ich war schlagartig aus dem bett. der blick auf meinen wecker zeigte 5.45 uhr !! und auf grund der tatsache, dass der albtraum nicht schlagartig endete, war mir sofort klar - die bauarbeiten auf dem nachbargrundstück hatten begonnen.
nicht, das wir uns falsch verstehen. ich habe nichts gegen neubauten. ich freue mich auf eine anregende neue nachbarschaft (und viele schöne neue geschichten), aber, wir müssen hier durch eine kleine stichstrasse fahren, auf der kaum so mit dem auto vom grundstück zu kommen ist. die fahrbahn wurde anno 1422 lediglich für ziegenkarren ausgelegt. wir waren bereits gespannt, wie das mit baumaschienen und fahrzeugen werden solle. nun gut. mein blick aus dem fenster liess nichts gutes erahnen. vor dem haus standen 5 lkw mit laufenden motoren und auf dem grundstück gegenüber hatte sich einer der arbeiter mit dem riesen kran ans werk gemacht. das dabei die vier 5000 watt scheinwerfer (versehentlich) auf mein schlafzimmerfenster gerichtet waren, hatte wohl noch niemand bemerkt. meine versuche, aus dem fenster heraus darauf aufmerksam zu machen, dass ich eigentlich um diese uhrzeit noch zu schlafen pflege, verliefen im sande, denn keiner, der sich lauthals anweisung zubrüllenden bauarbeiter bemerkte mich. im gegenteil, offensichtlich hatte man soeben beschlossen, frühstückspause zu machen. selbstverständlich mit laufenden motoren aller maschinen, als ich vom anfang der strasse einen schwertransporter herannahen sah. in absoluter panik und halb angezogen rannte ich aus dem haus und wollte versuchen, mein auto vom grundstück zu bringen, da ich absolute angst hatte, nicht mehr mit dem wagen zur arbeit fahren zu können, wenn der baustellenbetrieb ersteinmal im vollen gange wär.
meine frage an einen der herren, wer denn für dieses "chaos" verantwortlich sei, wurde mit einem fassungslosen gesichtsausdruck und wortlos ignoriert, was wohl von der tatsache kam, dass soeben ein schwerlaster versuchte, mich rücklings zu überfahren. meiner bitte, wenigstens erst mit dem wagen an die hauptstrasse zu fahren, wurde unter heftigem fluchen des wohl ukrainischen lasterfahres entsprochen, der nun sein mördergefährt wieder zentimeter um zentimeter aus dem engen gässchen bringen musste.
irgendwann stand ich dann vor dem bauleiter und fragte mit leiser stimme:" hätte man uns nicht gestern was sagen können...ich dachte eben, hier findet die invasion der marsianer statt..."
seine antwort war knapp und klasse. " junge frau-wir waren doch so leise, wie kann es denn sein, dass sie uns gehört haben....???"
ausnahmezustand
endlich ist es soweit, weihnachtszeit. ein bisschen ruhe und frieden nach den letzten anstrengenden wochen, den unzähligen überstunden und der vernachlässigung wichtiger dinge, wie dem schreiben hier. draussen deckt ein dickes tuch zuckerweisser flocken den alltag in ein flauschiges vergessen und es kehrt frieden ein.
die nachbarn warnten vor der fahrt in die stadt, aber die freude an einer tour durch verschneite strassen zu dem bevorzugten einkaufszentrum, um noch schnell die einkäufe für das höchste aller feste zu tätigen, konnte nicht einmal die mich in der engen kurve aus dem dorf auf eisglatter strasse überholende "wahnsinnige" in ihrem mit kindern voll besetzten fahrzeug mindern.
am supermarkt angekommen, empfing mich ein heer von ordnern, die die zu hauf einströmenden fahrzeuge davon abhalten sollten, sogar noch in den blumenrabatten zu parken. am eingang dann wurden den brav wartenden, hübsch geordnet, die einkaufswagen zugeteilt und die wartende menge immer schön zu 150 aufgeteilt in den markt gelassen. was sich dann drinnen bot, hysterisch jaulend und schiebend, überbot alles, was ich in den letzten monaten, dank erfindung des wortes "schweinegrippe" auf der arbeit erlebt hatte. scharen von drängelden und schiebenden menschen, die sich im befehslton brüllend von marktstand zu marktstand schoben und egal ob benötigt oder nicht, alles in die (eigens für diesen zweck aufs doppelte vergrösserten) einkaufswagen stopften, was ihnen auf ihrer odyssee zwischen schuhregalen und gemüsestand in die finger kam. es wurde geschubst und aus den im wege stehenden wagen heraus "organisiert", so dass einige der sichtlich überforderten hausfrauen wieder "zurück auf los" mussten, um den soeben unter einsatz ihres lebens oder wenigstens der frisch manikürten fingernägel ergatterten lebensmittel neu zu erstehen. zwei damen, die sich haarezerrenderweise um die letzte weihnachtsgans balgten, mussten gewaltsam getrennt werden, und andere kunden führten sich auf, als sollte es ab morgen weder lebensmittel noch nachfeiertägliche öffnungszeiten geben. auf dem weg zu kasse, bemerkte ich den herren, der sich schon zwei gänge vorher unter meinen einkaufswagen gehängt hatte und nun versuchte, das von mir erfreulicherweise noch ergatterte baguette aus dem wagen zu fingern. einzig die verkäuferinnen dieses marktes blieben ruhig und türmten erneut meter um meter frische waren auf, trockneten tränen, klebten pflaster und schenkten kaffee an diejenigen aus, die hyperventilierenderweise meinten, ihre familien für immer dort verloren zu haben. selbst an der kasse kam das 10.000ste "frohe weihnachten" noch von herzen.
sollte in diesem unserem lande jemals der nationale notstand ausbrechen, so sollte man diese damen fragen. besser trainiertes katastropheneinsatzpersonal werden wir nirgends finden!
in diesem sinne....ich freu mich schon auf silvester
dekorativ !
eines der wunderbarsten dinge im leben einer frau ist wohl das badezimmer. all die tuben und tiegel, die einen dort umgeben, sind ein teil des entspannenden rituals, welches frau, vor allen dingen ab einem gewissen alter, benötigt, um vom alltäglichen sein ins entspannte ist zu wechseln.
nun, mitunter können diese cremes und wässerchen ein kleines vermögen verschlingen, versprechen sie doch ewige schönheit und faltenfreien glanz. so auch der tiegel, den ich, zugegebenermassen nicht ganz ohne flunkereien über den horrenden preis, käuflich erworben hatte. DIE innovation in sachen hautpflege!
photographie: me_maya CC
mein kleinod hütend wie einen augapfel, kostete er doch den stattlichen gegenwert eines wochenendurlaubs, verbrachte ich die folgenden abende damit, mich um jahre zu verjüngen. bis zu dem tag, an dem ich meiner besseren hälfte sagte, dass die beiden türen im oberen stockwerk des hauses ein wenig quietschen würden und ihn bat, sich darum zu kümmern.
schon am nächsten abend hatte die beste aller besseren hälften besagten wunsch erfüllt.
auf meine frage, wie er denn die störenden geräusche so schnell abgestellt hätte, bekam ich die antwort: "na, da stand so ein pott olle gesichtsschmiere im bad bei dir. eignet sich übrigens prima zum fetten der türen ..."
eines kann ich dazu nur sagen ...– die türen, faltenfrei bis heute!
Clupea harengus
einer der gründe, warum ich keinen fisch esse, ist, dass mein vater hobbyangler ist.
seit kindertagen habe ich, sozusagen täglich, fisch (in den wildesten kombinationen mit senfsosse) vorgesetzt bekommen. jeden tag zog väterchen, die angel(n) fest im griff, gefolgt von allen dorfkatzen und einem fetten igel los.
photographie: nick on CC
erschwerend kommt hinzu, dass meine eltern über den luxus eines seegrundstücks verfügen, dem täglichen eiweissschub also nie etwas im wege stand.
wer ausserdem in der nähe der küste wohnt, kennt einmal im jahr die magische zeit, wenn der hering kommt. schon tagelang sitzen die angler vor den heimischen radioempfangsgeräten und horchen auf den wetterbericht. telefonate werden geführt und das "jagdtfieber" steigt bis ins unerträgliche. und dann endlich der ausruf : "der hering ist da!!!!" in diesem moment könnte die welt untergehen, der eingefleischte angler vergisst weib und kinder und kennt nur noch ein ziel! die hafenmole, wo dann hunderte angler seite an seite ihre angelruten in die gischt halten und eimer um eimer hering aus den fluten ziehen.
eines schönen tages hatte mein vater dann alle infiziert. mann und söhne fieberten dem tage x entgegen. endlich der anruf und aufbruch meines erzeugers mit seinen neuen jüngern, die mit angelruten, eimern, fresspaketen auszogen, den rausch des hering-pilkens zu erleben. meine mutter und ich warteten zuhause darauf, dass die beute heimgebracht werden sollte.
am abend kamen sie dann zurück. nass, erschöpft, durchggefroren und mit 10 riesigen plastikeimern fisch bewaffnet.
unsere entsetzten blicke wurden mit einem geknurrten "wir hatten eben biss..." von meinem vater abgetan, und während meine mutter und ich stunden um stunden schimpfend die schier nicht enden wollende masse fisch säuberten, brieten, einfroren, einlegten und irgendwie versuchten, sie in der nachbarschaft umzuverteilen, feierte die "fischer-gesellschaft" den sieg mit brathering, pellkartoffeln und speckstippe.
auf unserer heimfahrt mit dem auto (und dem kofferraum voller fisch) am nächsten tag waren meine männer erstaunlich ruhig. ich schob es auf die erschöpfung. bis sich ein paar tage später mein jüngster dann doch nicht beherrschen konnte. "sach mal, hast du nicht gesehen, dass die viecher gar keine verletzungen von den angelhaken hatten?" bohrte er. nein, ich hatte nichts gesehen. meine fragen allerdings erhielten dann eine antwort, die ich nicht erwartet hätte. da die herren keinerlei fische gefangen hatten, sondern fröhlich den vormittag in der hafenkneipe mit pommes und bier am "daddelautomaten" verbrachten, waren sie, schamesrot und unter eidesschwüren des zusammenhaltes und des nichtverpetzens, zum fischer gefahren um dort die heringe frisch gefangen vom kutter käuflich zu erstehen.
was sie allerdings geritten hatte, den kompletten fang des kutters aufzukaufen, war selbst unter folter (durch meine mutter) aus meinem vater bis heute nicht herauszubringen...