Samstag, 9. April 2011
praktikum
es ist wieder soweit. in den schulen herrscht gähnende leere. praktikumszeit. auch uns hat wieder das stündlein geschlagen, und wir erfreuen uns an einem entzückenden wesen, welches uns versucht, hilfreich zur hand zu gehen.
nun, aller anfang ist schwer und die langen arbeitszeiten zehren schon an den nur schulzeiten gewohnten nervlein so manches fräuleins. aber, irgendwann sind auch diese 14 tage überstanden und es geht daran, die mäpplein für die schule zu erstellen, in welchen dann der lehrerschaft und dem rest der ebenfalls gebeutelten mitschüler von den heroischen taten seiner selbst zu berichten.
nun, um diese armen wesen nicht unmittelbar ins verderben rennen zu lassen – schon der zensuren wegen – kontrollieren wir gern noch einmal diese schriftlichen dokumente unseres tagesablaufes. gut so !! wie ich wieder einmal festellen musste.

aus den schriftlichen ergüssen einer unserer jungen probandinnen: "... als ich dann um 9.00 uhr meine arbeit angefangen hatte, begrüßte ich alle und dann brachte ich meine sachen in den raum (?). dann stand ich eine weile rum, weil ich nichts zu tun hatte. dann ging ich patienten holen und steckte sie mit dem kopf nach unten in die ständer an der zimmertür (die karteikarten; anm. braggelmann). das macht man, damit man ihre namen nicht erkennen kann (und um den blutfluss zu verbessern; anm. braggelmann). dann stand ich wieder rum und schaute zu, wie frau b. telefonierte. dann sollte ich plaster zu Recht (! anm. braggelmann) schneiden. leider fand ich die nicht und so fiel das aus. dann durfte ich im labor schwarze punkte zählen (leukos im mikroskop; anm. braggelmann) dazu nimmt frau b. blut aus den leuten und mischt das mit flüssigkeit. dann muss sie (nicht frau braggelmann; anm. Braggelmann) auf eine maschiene die alles durchrüttelt und dann kippt mann die hälfte weg und das andere schaut man an (und sieht punkte vor den augen; anm. Braggelmann).
dann begrüsste ich die ärztin, die über den flur rannte (wir hatten einen notfall; anm. Braggelmann). sie war immer in eile ... ( ja, zum essen und pinkeln kommen wir nur alle 4 wochen - stimmt schon; anm. braggelmann)
später attistiere ich bei einer impfung. ich musste den arm festhalten und dann bekam das kind ein paar nadeln in den arm gestochen." (braggelmann merkt an: sollten sie fragen zu voodoo oder ähnlichen praktiken haben, scheuen sie nicht, mich anzurufen.)

braggelmann könnte das jetzt fortsetzen, aber die ist immer noch kurz vorm einnässen!

einen schönen nächsten arztbesuch wünscht

ihnen ihre frau jekyll braggelhyde



Mittwoch, 12. Januar 2011
zurück vom winterschlaf
ab montag wird wieder gearbeitet....



Freitag, 12. November 2010
lang ist`s her
ja, nachdem mich herr stubenzweig wieder einmal so vortrefflich darauf hingewiesen hat, dass seiner Meinung nach zu echter depressionsmusik eben nur EIN bestimmtes radioprogramm taugt, musste ich doch schmunzeln.

was waren wir doch depressiv beim hören dieser wundervollen musik. wir, damals in der 10. klasse, hockten wie zur heutigen zeit in der fernsehwerbung eines grossen onlineshops, bei dem man nur noch das kreischen kriegen kann (ob die jungen mit diesen nachgeahmten kommune 1-herrschaften eigentlich noch irgendetwas verbinden können?), auf den fussböden dieser welt herum, tranken himbeerblättertee und dikutierten über gott und die welt. ingo erfand die "proletenflöte", was aber eine andere geschichte und obendrein sehr lecker ist, das strickrad wurde nicht nur von den grünen neu erfunden, und der gipfel der intellektuell anspruchsvoll konspirativen diskussionsveranstaltungen von uns weltverbesserern war der von arne mitgebrachte gute amselfelder zum billigkäse, der dem ganzen einen hauch von exklusivität und existentialistischer schwere wie in einem film von truffaut gab.

beim hören von pink floyd überfällt mich mitunter ein lächelndes erinnern.



Mittwoch, 10. November 2010
speziell für jean
http://www.youtube.com/watch?v=uSvpGZ0sKZU
http://www.youtube.com/watch?v=hnz-wd9uMrY
http://www.youtube.com/watch?v=Cqh54rSzheg



depressionsmusik mal anders :-)
http://www.youtube.com/watch?v=IXdNnw99-Ic



Sonntag, 24. Oktober 2010
alle jahre wieder
fotografie: O-livier ! CC

gestern habe ich beim einkaufen entdeckt, dass die lieben lebkuchen wieder die regale füllen. endlich, kann ich dazu nur sagen. warum? weil die beste aller hälften nur mit einem im leben zufriedenzustellen ist. MOHNSTOLLEN. leider ist diese begehrte köstlichkeit nur in den "weihnachtswochen" zu bekommen und (für ihn) unverständlicherweise nur in begrenzter menge. nach bedauerlichen einkaufs-missgeschicken meinerseits in unserer anfangszeit (ich brachte nur einen mit nach hause ... dann waren sie ausverkauft) gehe ich in den letzten jahren dazu über, beim ersten auftauchen der heissgeliebten backware alles zu hamstern, nein, zu beschlagnahmen, was die läden hergeben. an der kasse werde ich mitleidig belächelt, wenn ich 20, 30 der leckereien aus dem einkaufswagen hebe. inzwischen habe ich es mir abgewöhnt, an der kasse zu erklären, dass offensichtlich, da nur einmal, wahrscheinlich vor ostern, bestellt wurde und dann nicht mehr, ich also zur vorratshaltung gezwungen bin, so nicht ab dem 30. oktober bei uns zuhause die verzweiflungsschreie über felder und wiesen hallen sollen, da der stollen alle ist. man findet mich also in den nächsten wochen kopfüber in verkaufsaufstellern und -regalen – auf der suche ... und wie jedes jahr wird zu heilig abend nichts mehr zu bekommen sein.

ich bitte die blogger-welt hiermit flehentlich: senden sie mir mohnstollen-backrezepte ... am besten gleich mit einem stollen dran.



Sonntag, 22. August 2010
mein olfaktotum
mit einigermassen nachdruck versuchte ich meine bessere hälfte davon zu überzeugen, dass ein neues duftwässerchen käuflich zu erstehen sei. ich hatte bereits ein nettes kleinod ins auge gefasst und versuchte nun bereits zum wiederholten male meinen liebsten untergründig davon zu überzeugen, mich doch damit zu überraschen. schlimmer als ich hätte man eine gehirnwäsche nicht inzenieren können. leider offensichtlich ohne erfolg, denn ER machte keinerlei anstalten auf meine anspielungen einzugehen. o.k. dachte ich eines morgens. dann mit dem holzhammer. am frühstückstisch las ich ihm aus der duftbeschreibung vor. ich zitiere:

Dieser Duft ist eine olfaktorische Hommage an die geistige Unabhängigkeit einer Frau mit starkem Charakter und ausgeprägtem Selbstvertrauen: Sie wird nicht übersehen, sie liebt den grandiosen Auftritt. Ihre Überzeugungen vertritt sie mit Nachdruck und geht unbeirrbar ihren eigenen Weg. Frauen wie sie begegnen dem Leben mit großer Leidenschaft und mit einem Stolz, der sich die Zügel ihrer eigenen Geschicke und des Laufs der Dinge nicht aus den Händen reißen lässt.
Dieses Parfum verströmt die unmittelbare und übermütige Aura der Andersartigkeit und des Unerwarteten. Eine originelle Komposition, die den charakteristischen Duft der Gurke auslotet und in Kombination mit Freesia einer starken und unverwechselbaren Weiblichkeit nachspürt.
Wie als Symbol für die Frau, der dieses Parfum gewidmet ist, beginnt der Duft mit einem originellen und kraftvollen Auftakt. Es bedarf jedoch etwas Geduld, um das Parfum in seiner ganzen Komplexität und vollen Ausprägung genießen zu können; nachdem sich die erste, stürmisch-stolze Impression von Gurke gelegt hat, erschließt sich eine unverwechselbare Persönlichkeit.

mit einem leichten lächeln stand er auf. "wenn du meinst, dann fahre ich halt in die stadt", waren seine worte, bevor er ging.
am abend erwartete ich ihn mit einem leckeren abendessen, voller vorfreude auf den neuen duft. als er in die küche kam, legte er ein körbchen voller salatgurken auf den tisch. ich argwohnte, doch noch bevor ich fragen konnte, sagte er: "hol den entsafter. das machen wir selbst. billiger !"



Montag, 16. August 2010
freitag, der 13.
etwas ausser der reihe hier heute einmal eine hotelempfehlung. was ich neben einer sehr angenehmen reise erster klasse mit einem sehr guten service in der bahn erleben durfte, wurde nur noch durch das mir anvisierte hotel, mit dem namen des heute dritten wochentages, überboten. gleich beim eintreffen, viel zu früh und völlig übermüdet von der zeitigen anreise meinerseits, wurde mir von dem empfangspersonal mit bedauern, dass mein zimmer noch nicht bezugsbereit sei, ohne weitere kosten und mit selbstverständlichem lächeln, ein traum erfüllt. ich bezog eine prachtvolle suite mit blick über die dächer münchens. abgesehen davon, dass allein der anblick des mir dann dort dargebotenen "gemaches" komplett den atem stocken liess, wurde dieser erfüllte prinzessinnentraum (nur das krönchen fehlte) in rotem samt und schwarzer seide nur noch von der unglaublichen, wie selbstverständlichen freundlichkeit aller !! mitarbeiter überboten. hilfreiche geister, die fast ungesehen allerlei köstlichkeiten auf das zimmer stellten, obstkörbe, getränke und zeitschriften, die mir gratis zur verfügung standen und der morgendliche frühstückszimmerservice, der in allen sündig ausgelebten einzelheiten mir die sinne zum schwinden brachten ! so muss man sich an den renaissance-höfen gefühlt haben. auf dem blutroten divan liegend, in der einen hand die zarten feigen, mit der anderen das so betörend duftend feste fleisch zu den lippen führend, in linnenes laken gehüllt ein wollustig obzönes, dekadent rauschendes gelage feiernd.
Die Venus von München (nach Jean Stubenzweig) Lustbildquelle: Wikipedia

lediglich der protest meiner kinder, die sauer waren, nicht mitgereist zu sein, und meine freundinnen in dem anderen hotel gegenüber, waren anlass, nicht noch eine woche zu verlängern.

sei's drum. ich komme wieder !



Donnerstag, 5. August 2010
used look
es ist wieder einmal soweit, frauenwochenende. diesesmal soll es in die grosse stadt gehen. münchen wurde anvisiert. zwischen brezen und weissbier wollen wir damen uns wieder einmal zünftig amüsieren. der blick in den kleiderschrank nach geplantem reiseziel war allerdings trostlos. da münchen ja nicht nur eine kulturelle hochburg ist, sondern auch seiner italiennähe wegen zu den grossen modezentren gehört, sollte frau nicht gleich als aus den norddeutschen sümpfen entflohen geoutet werden können. also, nicht nur guter rat, sondern auch die daraufhin flugs georderte neue garderobe teuer.
besonders gespannt erwartete ich die sendung meines lieblingsshops "knutsch ne kröte". ein paar designer-turnschuhe im retro-used-look. mit farbklecksen, wie zufällig hingestreut - total angesagt (und die damen unter uns wissen, dass die dinger, vor allem von diesem designer, fast nicht bezahlbar sind) und re-du-ziert!
mit begeisterung zeigte ich sie meiner besseren hälfte und erntete wieder einmal nur massiven spott für meine schnäppchenleidenschaft. gottseidank klingelte meine nachbarin an der tür, und nach einem halbstündigen plausch sah die welt auch schon wieder rosig aus. bis zu dem moment, als ich ins wohnzimmer zurückkam und meine bessere hälfte über den turnschuhen kniete. "siehst du", sagte er, "die dinger haben produktionsfehler. da ist farbe drauf, die ist komplett verkleckert, aber freu dich, ich hab das meiste schon runter." ich sah ihn vor einem häufchen abgepulter farbe hocken, wie er die ganze deko von den schuhen gnibbelte. "das kommt dabei raus, wenn man billigen mist kauft! noch ein, zweimal durch die waschmaschine, und du kannst dann damit auch los!"



Montag, 2. August 2010
kleines dankeschön
an den lieben herrn stubenzweig
und, da grosses kino nicht ihr ding ist, dann möglicherweise kleines.
speziell für sie
,ja

http://www.youtube.com/watch?v=JruqUIjl5Sw



Freitag, 30. Juli 2010
endlich urlaub
zum einstieg ein kleines bonbon


http://www.youtube.com/watch?v=O6mZvsWHs4M



Samstag, 3. Juli 2010
nachschlag
unbedingt angucken
http://www.youtube.com/watch?v=ZW-g3y2NfFo



Sonntag, 27. Juni 2010
geschüttelt, nicht gerührt
meine nachbarin, eine gestandene frau im rechten alter, von der man eigentlich meinen sollte, sie habe, genauso wie ihr guter alter traktor, bodenhaftung, rannte mich vor ein paar tagen quasi über den haufen. "braggelmann, ich brauch hilfe", waren ihre worte. nicht einmal wie sonst musste ich ihr alles aus der nase ziehen, sie sprudelte nur so."weisst du", sagte sie, "seit mein hinnerk nicht mehr da ist, ist mein leben nur noch langweilig. ich brauche wieder spass!" gesagt, getan, schleppte sie mich an den pc. "so!" waren ihre worte, "du richtest mir nun ein konto ein, bei so einer partnerbörse! ich suche mir einen neuen ehemann!" mein inständiges bitten, die finger von solchen anzeigen zu lassen, und meine bedenken, sie könne dort aufs übelste ausgenommen werden, scheuchte sie in den wind. "papperlapapp", meinte sie. "du wirst schon sehen, ich habe glück!" nach ein paar stunden erfolgloser versuche, sie davon zu überzeugen, besser die wöchentlich stattfindenden ü-100 parties hier in der gegend zu besuchen, war ihr konto schliesslich eingerichtet.
allabendlich rannte meine nachbarin nun zu mir, um dann stundenlang ihre schier nicht endenwollende flut von briefen zu beantworten. zwar waren es fast ausnahmslos kontaktgesuche von herren, die ihres alters wegen wohl eher auf der suche nach potentiellen pflegekräften waren, oder aber katalogboys, die rein finanzielle interessen hatten (sie glauben gar nicht, wer/was nachts in nigeria nicht alles von autos angefahren wird!). sogar der ehrwürdige altbürgermeister nahm am geschehen teil. mit feuerwehrmütze und der beschreibung "pilot will bei dir aufwachen" (hoffentlich! - Anm. Braggelmann). ja, selbst gruesse wurden von ihr nicht unter 4 seiten Din-A4 beantwortet. morgens auf dem traktor trug sie nun chanel nr. 5 und ein glückliches lächeln.
bis, ja, bis eines abends der entscheidende brief kam. gross, dunkelhaarig, drei-tage-bart (wie mein harrald!) stattlich, gutgebaut, treu, romantisch, wohlhabend, mercedes s-klasse! am nächsten abend sollte das treffen stattfinden. im dorfkrug. sie putze sich den ganzen tag heraus und war aufgeregt, wie eine 3(3)-jährige. nun, von natur aus misstrauisch, nötigte ich ihr meine begleitung auf. incognito und mit lesestoff am nebentisch selbstverständlich !
ein paar minuten später kam er dann herein. erkennungszeichen: rote nelke im knopfloch (nicht im gewehrlauf!). ein etwa 1,50 meter grosses, halbglatziges untersetztes männlein in jogginghose und jeansjacke mit fettigen, ungepflegten schulterlangen rest-haaren und mit schlappen und tennissocken an den füssen. selbstbewusst grüsste er meine mit vor staunen offenstehendem mund verharrende nachbarin und setzte sich zu ihr an den tisch. den rest seines monologes in korrekturbedürftiger grammatik und aussprache konnte ich, nur unter ziemlicher zurückhaltung lauten lachens hinter meiner zeitung, sehr gut mitverfolgen.
er sei unter lebensgefahr zu ihr gekommen. er hätte sich tarnen müssen und müsse sie nun bitten, mit ihm nach hause mitzukommen. der sicherheit wegen. er sei nämlich, dabei ein verheissungsvolles gesicht aufsetzend, ausgebildeter geheimagent, er warte auf einen einsatz, er sage nur "eiserner vorhang".
um schlimmeres zu verhindern, sprang ich augenblicklich dazwischen. "hier sind sie !" ich schwang meine hüften."Q schickt mich ! ihre majestät braucht sie - sie sollen sofort zum treffpunkt kommen!" ich drückte dem nun völlig verstört schauenden kerlchen mit tiefem blick seine augen meinen kugelschreiber in die hand. "hier, wie immer, 12 schuss ! viel glück commander !"
meiner nachbarin war später nur mit einer grossen menge cocktails zu helfen !

fotografie: chaouki CC



rheingold
nach heftigen diskussionen auf den beitrag gestern abend im fernsehen über den nibelungenschatz und der suche nach dem rheingold wurden funde gezeigt, die bei baggerarbeiten im rhein zutage befördert wurden. essgeschirr in erheblicher menge. mit der erklärung des kommentators bin ich aber nicht einverstanden. welcher nibelunge, der klar bei verstand ist, versenkt mal so mir nichts, dir nichts seinen hausrat. nein, ich sehe das anders. das komplette essgeschirr wurde weggeschmissen.
1. nibelunge: "oh, manno, der ganze abwasch ist noch zu machen ... dabei ist gleich endspiel. römer gegen barbaren. das ist so gemein. ich hab die karten bei druidenbay günstig geschossen"
2. nibelunge: "dann kipp's doch in den rhein!"

ich bin sicher, die mythologie ist einfacher gestrickt, als wir alle glauben möchten !



Sonntag, 13. Juni 2010
schöner wohnen
nach dem letzen besuch beim jüngsten in der zwar schon seit einiger zeit, aber dennoch ersten eigenen wohnung beschlossen meine tochter und ich, dem lieben kleinen, sozusagen einrichtungs- und stiltechnisch, ein bisschen unter die arme zu greifen. die junggesellenbude mit züchtigen krankenhausweissen wänden, übersät mit alten rockbandpostern, dem megadoppelbett und dem grossen kühlschrank gleich neben der schlafstatt gegenüber des 300-zoll-gigaplasma fernsehers, fand einrichtungstechnisch nicht unbedingt unseren gefallen. nach einigen verhandlungen und dem versprechen, ihm eine bude einzurichten, die die frauen nur so in scharen anziehen würde, liess er uns, samt zweitschlüssel, für das wochenende zurück.
nun muss man wissen, wenn es darum geht, eine wohnung einzurichten, sollte man zwei frauen plus kreditkarte und auto (auch ohne navi) niemals alleinelassen. in allerkürzester zeit hatten wir die zimmer geleert, die wände frisch gestrichen und uns auf den weg gemacht, dem elch zucker zu geben. mit der erstandenen beute machten wir uns auf den weg, hammer und nägel im gepäck und ein eimer voller ideen im kopf.

am sonntag abend kam er dann zurück. stolz präsentierten wir ihm den in frischem vanillegelb und salsa-rot gestrichenen schöner-wohnen-traum, die wundervoll hergerichtete küche mit den rotkarierten gardinchen vor dem spültisch und der megadeko mit duftkerzen und blumenvasen, gleich neben den kräutertöpfchen und der neuen, edlen kaffeemaschine. das schlafzimmer im trendigen orient-style mit malvenfarbener bettwäsche in geschmeidigem satin, obendrauf ornamentige Blümchen, augenblicklich zur entspannung einladend und den wohnbereich mit neuerstandenem flokati vorm (tatsächlich! vorhandenen) kamin im dialog mit der mangofarbenen sitzgruppe, dem leicht erotischen Ruhesessel und den freundlichen wandbehängen in komplementärfarben nach Goethes Farbenkreis.

mit angst-, ja wutverzerrtem gesicht starrte er uns an. "seid ihr bescheuert!!!", schrie er, "das ist jetzt eine tussenwohnung!!!! ich krieg nachher besuch von meinen kumpels. wie soll ich das hier so schnell wieder in ordnung bringen – und auch noch TUC-kekse auf dem tisch. ich bin erledigt!"


Fotografien: (oben): champagne.chic CC (unten): John Bollwitt CC



Freitag, 11. Juni 2010
das leben als solches
vor ein paar tagen stand mein ältester sohn mit der jüngsten tochter im kinderwagen vor der haustür, als der kleine nachbarsjunge (6 jahre) zu ihm tritt:" sach ma, wie alt is die denn nu?" will er wissen. "11 monate jetzt genau", antwortet mein sohn darauf. nach kurzem überlegen und mit leicht nachdenklichem blick der lütte darauf zu ihm: "na, da hat sie ja ihr ganzes leben noch vor sich."